Herbstliches Erblühen

Einige Wochen ging jeder von uns seinen eigenen Interessen nach. Während manch einer eine Reise tat, waren andere fleissig und spielten zur Abwechslung mal Musik, bei der man Pausen zählen muss. Die meisten (sechs an der Zahl) lagen nur rum, brieten Würste und sammelten Sonnenbrände wie Panini-Bildchen. Einig ist man sich allemal: Gut, geht's wieder los.

Das dritte Bühnenprogramm steht auf der Todo-Liste. Wer Irrsinn 2.0 (vorläufiger Arbeitstitel) gesehen hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass weder die russischen Tänzer noch die Elefanten ihren Auftritt hatten. Gewerkschaften, das Arbeitsamt und Tierschützer hatten gewisse Einwände. 

 

Also wird das dritte Programm kleiner, feiner, anspruchsvoller. In kulinarischen Begriffen wechseln wir von Bier und Chips zu Champagner und Kaviarhäppchen. Viel Platz für zeitgenössische Musik, Auszüge aus einem frühbarocken Oratorium und eine weitere Auftragskomposition unseres Composer in Hesitance, Werner T. Fischbach, werden UnglauBlech endlich zu dem machen, was wir schon immer sein wollten: Ein ernsthaftes Ensemble mit künstlerisch ambitioniertem Programm.

Natürlich wollen wir das eigentlich nicht. Macht ja keinen Spass. Aber es bringt Geld. Zwar nicht von einem zahlenden, gutgelaunten Publikum, aber von der öffentlichen Hand und Menschen, die sich als "Mäzen" bezeichnen. Von Leuten also, die Geld, aber keinen Spass haben, das auch noch gut finden und andere in die gleiche Misere stürzen wollen. 

Das nennt man dann Kunst- und Kulturförderung. Um an dieses Geld zu kommen, muss man zunächst einmal seine Erscheinung polieren: Langes, zerzaustes Haar, eine Brille mit runden Gläsern, die man auf der Nasenspitze trägt und dahinter ein entrückter Blick. Auf der Bühne bewegt man sich ekstatisch-agogisch (ein Bisschen wie Epilepsie, aber ohne Schaum vor dem Mund) zu Klängen, die man im Programmheft als "interessant", "von ungeheurer emotionaler Dichte" oder schlicht als "schroffe Klangwelten von durchsichtiger Komplexität" bezeichnet. 

 

Konzerte funktionieren dann auch ganz anders. Die Noten müssen so zusammengeklebt werden, dass sie auf beiden Seiten vom Pult hängen. Wenn man dann die Bühne betritt - allesamt schwarz gekleidet (Stichwort: Künstler) - blickt man ernst und würdevoll ins Publikum, setzt sich auf seinen Stuhl und nistelt noch ein Bisschen an den bereits drapierten Blättern herum. Nichts ist wichtiger, als die Komplexität der Musik mit viel Papier zu unterstreichen. Dann sammelt man sich. Setzt sich noch ein Bisschen aufrechter auf den Stuhl und sammelt sich nochmals. Dann atmet man geräuschvoll und tief ein, bröselt ein paar schnelle Töne hin und beendet die Phrase mit einer grossen Körperbewegung auf einem e, das einen Viertelton erhöht ist. Künstlerpause. Jetzt ein paar ausgewählte Schlagzeugstreichler und dann wieder eine Salve atonaler Schmierereien. 

Ist das Werk zu Ende, sollte man erschöpft sein oder zumindest so tun. Kurz die Haare aus dem Gesicht streichen und dann aufstehen (nicht lächeln, es ist ERNSTE Musik) und ins Publikum starren, wie eine Elefantenkuh nach einer Fehlgeburt.

 

In nächster Zeit wird für diesen neuen Eindruck auch unsere Homepage neu gestaltet. Alles wird schwarz, wenige Wörter und nur ein Schwarzweissbild von uns in schwarzen Kleidern ist zu sehen. Vor einem schwarzen Hintergrund. Rund um einen Flügel. Das Klavier brauchen wir zwar nicht, aber es steht für Hochkultur. Wir könnten auch eine Geige nehmen. Aber wir wissen nicht, wie man die hält. Irgendwo steht noch ein Satz aus einer Zeitung, deren Name für Seriosität steht und unsere Ernsthaftigkeit unterstreichen soll. Diesen Satz müssen wir frei erfinden.

 

Und wenn wir diesen Wandel erst einmal durchgemacht haben, stellen wir um auf vegane Ernährung, machen Yoga und lesen den ganzen Tag Bücher toter Philosophen, die wir zwar nicht verstehen, die sich in unserem Geigenkasten aber gut machen. Die Bücher, wohlgemerkt. Und dann warten wir auf die Fördergelder und die hochkomplexen, transzendenten Kompositionen Werner T. Fischbachs.

 

Aber keine Angst. Das mit dem Geigenkasten war ein Tippfehler. Wir bleiben beim Blech. Und überhaupt ändert sich gar nichts. Ein gutgelauntes Publikum und unser Spass gehen vor. Leider hat Werner T. Fischbach schon angefangen zu schreiben...

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Kommentare: 1
  • #1

    Der aus dem Nichts auftauchende Adalbert (Freitag, 24 Oktober 2014 10:46)

    Seit rund 12 Jahren versuche ich es herauszufinden. Etliche Stunden über zoologischen Büchern, etliche Stunden direkt am Gehege sowie etliche Stunden beim Elefantenreiten im Kinderzoo Rapperswil konnten mir die längs gewünschte Offenbarung nicht bringen. Doch dank Unglaublech weiss ich endlich wie Elefanten bei Fehlgeburten starren.

    Bezüglich Yoga empfehle ich den Sommerkurs "Yoga - Die Sinne spüren und leben" am Arenenberg. Man munkelt, dass da am Abend neuerdings auch Raclette- und Grillzeremonien eingebettet sind! Der Kurs findet übrigens direkt eine Woche vor dem anderen von Trunkenheit und Frasseslust gesättigten Sommerkurs statt. Ach wie hies der schon wieder, egal. Der Yoga-Kurs ist auf jeden Fall in der letzen Juli Woche.