Auf der Suche nach dem Wir.

Drei Konzerte. Drei Mal haben die Zuhörer bei jedem Stück applaudiert. Langsam haben wir das Gefühl, man könnte uns hören wollen. Wir haben also beschlossen, weiter zu üben. Dafür haben wir uns ein kleines Regelwerk aufgestellt:

1. Alle nehmen ihre Instrumente selber mit zum Konzert. Dann sind sie auch wirklich da. (F. S. aus S.)

2. Alle nehmen ihr Instrument nach dem Konzert selber mit nach Hause. Dann ist es auch wirklich da. (B. Z. aus F.)

3. Farbige Accessoires dürfen nur aus dem Herrensortiment stammen. (C. P. aus B.)

 

Trotzdem hat uns die Identitätskrise erwischt. Band? Wird mit Gitarren, Drogen und langen Haaren assoziiert. Ensemble? Ewig erfolglos, randgruppentauglich und versnobt. Kapelle? Lederhosen, Umtata und Bierzelt. Partie? Nur Österreicher wissen, was damit gemeint ist. Brassorkestar? Gibt's schon und ist vor allem Zigeunern oder solchen, die's gerne wären, vorbehalten.

 

Es gibt keine Nische, in die wir uns zwängen könnten, ohne, dass schon jemand im Frack, Lederhosen oder im geklauten Benz sitzt. Also machen wir unsere eigene auf. Mit Freibier, Blackjack und Nutten. UnglauBlech als Sammelbegriff für alles undefinierbar Chaotische. Für musikalischen Fussball: Männer, ein Team, und nach dem Spiel ist vor dem Spiel - das Übliche. Für in Messing gegossene Lebensfreude mit Herzinfarktrisiko und kindlicher Spielfreude. Wir bleiben wohl allein in der Nische. Das ist gut so. Dann klaut uns keiner die Instrumente und es gibt keine Diskussionen über den latenten Expressionismus in Opus 11 des schwedischen Komponisten Magnus Thorbjörn Larsson und den damit einhergehenden Verdacht einer nicht-elfenbeinturmtauglichen Intellektualität seines Streichquartetts in des-Moll.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0